Die Geschichte
Wie Happy Aurelia enstand
Mein Name ist Stefan Giovanni Pace
Ich bin Vater, Pilger und Christ. Das Leben hat mich gelehrt, dass Gott uns nicht immer erklärt, warum manche Wege so schwer werden. Aber manchmal stellt er uns Geschöpfe zur Seite, die uns ohne viele Worte Halt geben, uns trösten und uns helfen, ins Leben zurückzufinden.
Aurelia
Für mich war eines dieser Geschöpfe eine kleine dreifarbige Hündin aus Südspanien. Ihr Name war Aurelia. Sie wurde meine Krankenschwester, meine Seelenhündin, meine Sonnengöttin und meine Königin. Wenn ich heute an Aurelia denke, möchte ich nicht zuerst ihren Tod sehen. Ich möchte all das Leben sehen, das in ihr steckte. Und dann sehe ich Erde.
Ich sehe Aurelia im Garten, wie sie mit ihren Vorderpfoten ein Loch gräbt, als hätte sie persönlich den Auftrag erhalten, bis zum Mittelpunkt der Erde vorzudringen. Neben ihr sah jeder Bagger wie ein Anfänger aus. Ihre Pfoten arbeiteten auf Hochtouren. Danach saß sie dort, die Schnauze voller Erde, und versuchte, sie mit der Zunge aus dem Maul zu bekommen. Ein Teil fiel zu Boden, ein anderer blieb vermutlich drin. Aurelia schaute dabei, als wäre alles exakt nach ihrem Plan verlaufen. Selbst jetzt, wo ich sie so sehr vermisse, bringt mich diese Erinnerung zum Lachen. So war Aurelia. Sie hat mir Tränen hinterlassen, aber sie schenkt mir bis heute auch ein Lächeln. Ihr vollständiger Name lautete natürlich Aurelia, Queen von Hohenzollern van der Vaart. So habe ich sie getauft. Und um ihren vollständigen Namen auszusprechen, muss man sich immer die nötige Zeit nehmen.
Von Lucendum zu uns
Aurelias Weg führte sie aus Südspanien zu uns. Auf der Finca Lucendum in der Nähe von Alicante fanden Tiere Schutz, die bereits all die Dunkelheit kennengelernt hatten, die es auf dieser Welt geben kann. Gisi und Ralf hatten dort eigentlich ihren Ruhestand genießen wollen. Doch nachdem einer ihrer Hunde verschwunden war und die Suche nach ihm sie auch in spanische Tierheime und Tötungsstationen geführt hatte, sahen sie mit eigenen Augen das Leid ausgesetzter Tiere. Danach konnten und wollten sie nicht mehr wegsehen.
Was ihr Ruhestand hätte werden sollen, wurde zu ihrer Lebensaufgabe. Sie retteten Tiere, nahmen sie auf und gaben ihnen etwas, das kein Gesetz und kein Besitz ersetzen kann: eine Stimme, Liebe und Schutz. Für mich sagt der Name Lucendum bereits alles. Er steht für Licht. Er steht für einen Ort, an dem ein Tier aus der Dunkelheit heraustreten und ins Leben zurückkehren kann. Aurelia brachte dieses Licht mit, als sie 2011 Teil unserer Familie wurde. Sie kam nicht einfach als Hündin in unser Haus. Sie trat unmittelbar in unser Leben und tief in mein Herz.
Meine Königin
Aurelia hatte etwas Majestätisches. Wenn sie einen Raum betrat, war sofort klar, wer dort das Sagen hatte. Wenn sie in den Garten ging und die Nachbarhündin Nini entdeckte, musste sie zunächst unüberhörbar verkünden, wer die Königin war. Aurelia war meine Sonnengöttin, aber auch eine kleine Krawallmacherin. Sie war elegant und lustig, stolz und liebevoll, im einen Moment majestätisch und im nächsten eine wunderbare Clownin.
Ich sehe sie noch heute einem Ball hinterherlaufen. Ich erinnere mich an unsere Zerrspiele mit ihren Plüschtieren und an all die Tricks, die sie beherrschte. Sie stellte sich auf die Hinterbeine und machte „Bitte, bitte“. Sie konnte auch „Twist“ und „Karussell“ und wusste ganz genau, wann der richtige Zeitpunkt war, ihre Fähigkeiten vorzuführen – besonders dann, wenn am Ende eine Belohnung wartete. Im Rally Obedience war Aurelia ein echter Star. Selbst in der Seniorenklasse erzielte sie hervorragende Ergebnisse und erreichte sogar 100 Punkte. Ich selbst war mit ihr in diesem Sport nicht aktiv und möchte mir ihre Erfolge nicht zuschreiben. Aber ich war ihr größter Bewunderer und unendlich stolz auf meine Königin. Und selbst ein Rally-Obedience-Star konnte manchmal zum Clown werden. Wenn man von Aurelia erzählt, muss man das einfach sagen. In einem Moment konnte sie alles zeigen, was sie gelernt hatte, und im nächsten ihren eigenen Plan verfolgen und alle zum Lachen bringen.
Seit Aurelia zu uns kam, war eines ihrer Augen bereits getrübt. Doch dieses Auge hielt sie niemals auf. Es gehörte zu ihr, aber es bestimmte sie nicht. Sie rannte, spielte, lernte, wachte und genoss das Leben. Ihr Auge war getrübt, aber Aurelia sah alles mit vollkommener Klarheit. Sie sah nicht nur mit ihren Augen. Sie spürte Stimmungen, bemerkte meinen Schmerz und wusste, wann ich sie brauchte. Zwischen ihr und den Menschen, die sie kannten, entstand etwas, das aus Respekt und Liebe bestand.
Ihr Fell war weich und vertraut. Ihre Pfötchen rochen manchmal nach Käse. Und ja, auch ihre Fürze waren legendär. Aurelia war eine kleine Zauberin, die die Luft mit Geruch erfüllen und anschließend alle mit einem Ausdruck völliger Unschuld ansehen konnte. Auch das ist Liebe. Liebe besteht nicht nur aus feierlichen Augenblicken und schönen Worten. Sie lebt im Geruch vertrauten Fells, in Pfötchen, die nach Käse riechen, in einer Schnauze voller Erde und im gemeinsamen Lachen über eine kleine Hündin, die so tut, als hätte sie mit dem Geschehen absolut nichts zu tun.
Meine Krankenschwester
Nach meinem schweren Unfall lernte Aurelia, mir die Socken auszuziehen. Was für andere Menschen vielleicht nur wie ein Trick aussah, bedeutete für mich sehr viel mehr. Vorsichtig zog sie an der Socke, bis sie sie von meinem Fuß bekommen hatte. Danach legte sie sich neben mich. Sie musste nichts sagen. Sie musste meinen Schmerz weder verstehen noch erklären. Sie war einfach da. Aurelia wurde meine Krankenschwester.
Menschen suchen oft nach den richtigen Worten, wenn jemand leidet. Aurelia brauchte keine Worte. Ihre Nähe sagte mir, dass ich nicht allein war. Sie half mir nicht aus Mitleid. Sie half mir, weil wir zusammengehörten. Natürlich ließ ich ihr vieles durchgehen. Wahrscheinlich zu viel. Oft genügte ein einziger Blick von Aurelia, damit ich all meine guten Vorsätze vergaß. Ich bereue es nicht. Heute versuche ich, bei Cacao und Sierra konsequenter zu sein und daran zu denken, dass auch Liebe klare Regeln braucht. Aber bei mir durfte Aurelia die Königin sein. Kein vernünftiger Gedanke könnte heute all jene Augenblicke ersetzen, in denen ich sie verwöhnt habe. Ich würde keinen einzigen davon zurückgeben.
Lucie
Aurelia steht im Mittelpunkt dieser Geschichte, aber ihr Leben lässt sich nicht ohne Lucie erzählen. Auch Lucies Geschichte begann auf der Finca Lucendum. Ihre Mutter Selena wurde aus einer Tötungsstation gerettet und brachte ihre Welpen zur Welt, als sie bereits auf der Finca in Sicherheit war. Lucies Geschwister Plüsch, Plum und Telma schafften es nicht zu überleben. Nur Lucie überlebte gemeinsam mit ihrer Mama Selena. Damals hieß sie noch Luise. Für mich wurde sie später Lucie, mein Lucbär und Papas Baby.
Als Lucie Aurelia 2017 am Stuttgarter Flughafen kennenlernte, gehörte zu ihren ersten Amtshandlungen, in ein Hosenbein zu beißen. Nicht ins Bein, nur in den Stoff. Das war ihre freche Art, sich vorzustellen. Lucie war aktiver und dominanter als Aurelia. Sie wurde zur Leibwächterin der Königin. Wobei Aurelia ihr eigenes Königreich durchaus selbst zu verteidigen wusste. Wenn es an der Tür klingelte oder ein Auto vor dem Haus hielt, waren beide sofort zur Stelle. Unser Zuhause hatte zwei Wächterinnen.
Doch hinter Lucies Selbstsicherheit steckte ein Wesen, das unglaublich viel Liebe brauchte. Sie drückte sich an mich, legte ihren Kopf in meinen Schoß und forderte ihre Streicheleinheiten ein. Papas Baby fragte nicht, ob gerade ein guter Zeitpunkt für Zuneigung war. Sie brauchte Liebe – und natürlich bekam sie diese Liebe. Auch Lucie konnte viele Tricks. Wenn sie „Peng“ hörte, legte sie sich hin und stellte sich tot. Und da sie außerdem sehr verfressen war, hätte sie für ein gutes Leckerli wahrscheinlich noch viele weitere Rollen gespielt.
Kurz nachdem sie zu uns gekommen war, brach sich Lucie den Ellenbogen. Sie war noch ein Baby. Ich werde niemals vergessen, wie sie vor Schmerzen schrie, wimmerte und weinte. Ich konnte sie nicht allein auf dem Boden liegen lassen. Also legte ich mich zu ihr. Nicht nur für eine Nacht, sondern monatelang. Wenn mein Baby nicht zu mir ins Bett konnte, dann ging ich eben zu meinem Baby auf den Boden. So behandelt man kein Haustier. So kümmert man sich um ein Familienmitglied.
Später beschloss Lucie, auf eigene Faust einen mehrstündigen Ausflug durch den Wald bei Heidelsheim zu unternehmen. Während sie vermutlich ihre Freiheit genoss und neugierig den Wald erkundete, suchte ich verzweifelt nach ihr. Ich weinte vor Angst und dachte, ich würde mein Baby niemals wiederfinden. Als ich Lucie schließlich wieder in meine Arme schließen konnte, war all diese Angst verschwunden. Von diesem Tag an hörte sie auf mich. Vielleicht hatte auch sie begriffen, wie eng unsere Leben miteinander verbunden waren.
Aurelia und Lucie schliefen oft gemeinsam mit uns im Bett. Wir flogen nicht ohne sie in den Urlaub und gaben sie nicht in eine Hundepension. Wir reisten dorthin, wo unsere Hunde willkommen waren. Unsere Familie musste sich nicht dem Urlaubsziel anpassen. Das Urlaubsziel musste zu unserer Familie passen. Deshalb kann ich keinen einzigen Ort als den schönsten bezeichnen. Jeder Ort mit Aurelia und Lucie war wunderschön. Nicht der Ort machte uns glücklich. Sie waren es.
Abschied von Aurelia
Im Laufe der Jahre veränderte sich unser Leben. Nach einer Trennung verlor ich gegen meinen Willen den Kontakt zu Aurelia und Lucie. Unsere gemeinsame Zeit endete nicht durch meine Entscheidung. Am 20. März 2025 sah ich Aurelia zum letzten Mal. Ich wusste nicht, dass es das letzte Mal sein würde.
Hätte ich es gewusst, hätte ich sie länger umarmt. Ich hätte ihr Gesicht in meine Hände genommen, ganz bewusst noch einmal die Weichheit ihres Fells gespürt und ihr gesagt, was ich ihr so oft gesagt hatte: Meine Aurelia. Meine Queen von Hohenzollern van der Vaart. Dafür muss man sich immer die nötige Zeit nehmen.
Am 13. März 2026 starb Aurelia an einem Tumor in der Leber. Ich konnte nicht bei ihr sein. Ich konnte ihre Pfote nicht halten und ihr nicht sagen, dass sie keine Angst haben müsse. Ich konnte mich nicht verabschieden. Bis heute fällt es mir fast unmöglich, die Endgültigkeit dieses Verlustes zu begreifen. Zu wissen, dass ich Aurelia niemals wieder lebend sehen werde, ist eine Wunde, für die es keine einfachen Worte gibt.
Mein christlicher Glaube verlangt von mir nicht, diesen Schmerz kleinzureden. Hoffnung bedeutet nicht, so zu tun, als sei nichts geschehen. Für mich bedeutet Hoffnung, darauf zu vertrauen, dass der Tod nicht mächtiger ist als die Liebe. Ich glaube, dass kein von Gott geschaffenes Geschöpf in seiner Liebe vergessen wird.
Aurelia ist nicht mehr auf die Weise bei mir, wie ich es mir wünschen würde. Ich kann ihr Fell nicht mehr berühren, ihr keine Erde mehr von der Schnauze wischen und nicht mehr über den Käsegeruch ihrer Pfötchen lachen. Aber sie ist nicht aus meinem Leben verschwunden. Ihr Körper ist gestorben, doch ihre Liebe ist geblieben. Sie lebt in meinen Erinnerungen, in meinen Gebeten und in der Art, wie ich einem Tier begegne. Sie lebt in jedem Augenblick, in dem ich mich entscheide, nicht wegzusehen. Sie lebt in meiner Hand, wenn ich sie einem verletzten Tier entgegenstrecke. Sie lebt in meiner Entscheidung, aus meinem Schmerz etwas Gutes wachsen zu lassen. Der Tod hat verändert, wie Aurelia bei mir ist, aber er konnte sie nicht aus meinem Herzen reißen.
Mir bleiben ihre Fotos, ihre Tricks, ihre nach Käse riechenden Pfötchen, ihre legendären Fürze, die Weichheit ihres Fells, ihre arbeitenden Pfoten beim Graben und die Erde, die sie sich mit der Zunge aus dem Maul holte. Mir bleiben meine Krankenschwester, meine wunderbare Clownin, meine Sonnengöttin und meine Königin. Sie wird ein Teil von mir bleiben, solange mein Herz schlägt. Und mir bleibt der Wunsch, dass ein kleiner Teil ihrer Asche eines Tages seinen Weg nach Santiago de Compostela findet.
Lucie lebt
Lucie lebt. Ich trauere um Aurelia, weil sie nicht zurückkehren kann. Ich vermisse Lucie, obwohl sie irgendwo unter demselben Himmel noch lebt. Es sind zwei unterschiedliche Formen des Schmerzes, aber beide entstehen aus derselben Liebe. Lucie lebt nicht nur irgendwo auf dieser Welt. Sie lebt auch in mir.
Ich trage meinen Lucbär bei mir – in der Erinnerung an ihren Kopf in meinem Schoß, an ihre Art, Streicheleinheiten einzufordern, an jene Monate, in denen wir gemeinsam auf dem Boden schliefen, und an den Augenblick, in dem ich mein verlorenes Baby endlich wieder in die Arme schließen konnte. Entfernung kann diese Liebe nicht auslöschen. Solange Lucie lebt, werde ich für sie beten. Und solange ich lebe, werde ich die Hoffnung bewahren, dass sich unsere Wege eines Tages wieder kreuzen und ich Papas Baby noch einmal in meine Arme schließen kann.
Der Camino
Meine Krankheiten haben mir immer wieder gezeigt, wie zerbrechlich das Leben ist. 2019 erkrankte ich an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Es folgten eine sehr schwere Operation, Behandlungen, Rückfälle und lange Krankenhausaufenthalte. Später kamen weitere schwere Erkrankungen hinzu. Mehr als einmal sagte man mir, dass meine Zeit begrenzt sein könnte. Aber ich war noch da.
Mein Glaube hat mir das Leiden nicht erspart. Doch er gab mir die Gewissheit, darin nicht vollkommen allein zu sein. Als mein Körper kaum noch Kraft hatte, begann ich zu gehen. Der Jakobsweg wurde für mich zu einem Gebet mit den Füßen. Auf vielen Caminos legte ich mehr als 7.600 Kilometer zurück. Ich kämpfte, betete und weinte. Manchmal hatte ich keine Antworten und kaum noch Kraft. Trotzdem setzte ich immer wieder einen Fuß vor den anderen.
Ich brauche Sonne, keine Schmerzmittel. Der Camino hat mich gerettet. Deshalb ist Santiago de Compostela für mich nicht nur das Ziel einer Pilgerreise. Santiago ist der Ort, an dem aus Schmerz wieder Bewegung und aus Verzweiflung wieder Hoffnung wurde. Dort habe ich gelernt, dass ich nicht den ganzen Weg kennen muss. Manchmal genügt es, den nächsten Schritt zu gehen und darauf zu vertrauen, dass Gott ihn mit mir geht.
Dobby, Cacao und Sierra
Als ich den Kontakt zu Aurelia und Lucie verlor, fehlten mir nicht nur zwei Hunde. Ein Teil von mir selbst war verstummt. Mir fehlte ihre Nähe. Mir fehlte das Gefühl, gebraucht zu werden. Mir fehlte die Verantwortung, für ein Geschöpf zu sorgen, das mir vertraute. Dann kam Dobby.
Er war verletzt an einer Straße auf Mallorca gefunden worden. Er hatte ein gebrochenes Bein und litt an Leishmaniose. Auch sein Leben hing davon ab, dass einige Menschen beschlossen, nicht wegzusehen. Dobby konnte und sollte Aurelia und Lucie niemals ersetzen. Seelenhunde sind nicht austauschbar. Liebe ist kein leerer Platz, den ein anderer Hund einfach einnehmen kann.
Aber Dobby gab mir etwas zurück, von dem ich geglaubt hatte, es verloren zu haben. Er brauchte Fürsorge und schenkte mir sein Vertrauen. Durch ihn konnte ich wieder beschützen, helfen und Verantwortung übernehmen. Für mich war es kein Zufall, dass ausgerechnet ein verletzter Hund meinen Weg kreuzte, als auch ich innerlich verletzt war. Dobby gab mir Aurelia und Lucie nicht zurück. Er gab mir einen Teil meiner selbst zurück. Dobby hat mich gerettet.
Später führte sein Weg ihn in ein sicheres Zuhause. Seine Bedeutung für mein Leben blieb. Er baute eine Brücke zwischen meinem Schmerz und einer neuen Verantwortung. Über diese Brücke kamen später Cacao und Sierra, zwei Galgos mit ihren eigenen Geschichten – manche sichtbar, andere tief in der Seele verborgen. Keiner dieser Hunde ersetzt einen anderen. Das müssen sie auch nicht. Liebe wird nicht weniger, wenn man sie teilt. Sie wächst.
Happy Aurelia
Happy Aurelia entstand aus all diesen Wegen. Aus dem Licht der Finca Lucendum, aus der Liebe zu Aurelia, aus Lucies Lebenswillen, aus meinen Krankheiten, aus dem Camino, aus Dobbys Vertrauen und aus meinem Glauben daran, dass der Schmerz nicht das letzte Wort haben darf. Die zukünftige Stiftung Happy Aurelia für Tierschutz wird ihren Sitz in Santiago de Compostela haben. Sie trägt Aurelias Namen, weil aus meiner Liebe zu ihr und aus ihrem Verlust die Entscheidung entstanden ist, anderen Tieren zu helfen.
Das bedeutet nicht, dass ich Lucie weniger liebe. Liebe kennt keine Kategorien und keine Ranglisten. Lucie gehört zum Fundament dieser Stiftung – als Leibwächterin der Königin, als mein Lucbär und als Papas Baby. Das Wort „Happy“ soll Aurelias Tod nicht beschönigen. Es ist ein Versprechen.
Andere Tiere sollen die Chance bekommen, glücklich zu leben. Sie sollen das bekommen können, was Gisi und Ralf Aurelia, Lucie und so vielen anderen Tieren auf der Finca Lucendum gegeben haben: eine Stimme, Liebe und Schutz. Happy Aurelia wird kein Denkmal für meinen Schmerz sein. Es wird ein lebendiges Versprechen im Namen meiner Königin sein.
Die Stiftung wird bereits bestehende Tierschutzorganisationen, Tierheime, Pflegestellen, Kliniken und Gnadenhöfe unterstützen. Sie wird bei Rettungsaktionen, tierärztlicher Versorgung, Kastrationen, Impfungen, Kennzeichnung und verantwortungsvollen Vermittlungen helfen. Sie wird Menschen miteinander verbinden und diejenigen unterstützen, die sich schon heute weigern wegzusehen.
Sie wird Tiere nicht danach unterscheiden, welchen Nutzen der Mensch ihnen zugeschrieben hat. Familienhunde, Galgos, Podencos und andere für die Jagd eingesetzte Hunde, sogenannte Nutztiere und Wildtiere sind fühlende Geschöpfe und verdienen Schutz. Kein Lebewesen verliert die Würde, die Gott ihm gegeben hat, nur weil der Mensch es einer bestimmten Kategorie zuordnet.
Die Stiftung wird aus meinem privaten Vermögen und meinen Einkünften finanziert. Happy Aurelia wird keine öffentlichen Spenden sammeln. Wenn eine Partnerorganisation Unterstützung benötigt, werden ihre offiziellen Möglichkeiten zur Hilfe transparent dargestellt. Happy Aurelia möchte die Menschen, die seit Jahren vor Ort kämpfen, nicht ersetzen. Es möchte ihnen helfen, ihre Arbeit fortzusetzen und weitere Leben zu retten.
Mein Glaube sagt mir, dass Tiere keine Dinge sind, über die wir nach Belieben verfügen dürfen. Sie sind Teil der Schöpfung und unserer Fürsorge anvertraut. Wie wir mit den Schwächsten umgehen, zeigt, wie ernst wir diese Verantwortung nehmen.
Ich konnte Aurelias Pfote in ihren letzten Augenblicken nicht halten. Aber heute kann ich meine Hände dafür einsetzen, anderen Tieren aus Angst, Krankheit und Verlassenheit herauszuhelfen. Ich konnte meiner Königin nicht ein letztes Mal sagen, wie sehr ich sie liebe. Aber ich kann ihren Namen zu einer Stimme für diejenigen machen, die keine eigene Stimme haben. Mit jedem Tier, das durch Happy Aurelia Hilfe erhält, wird Aurelia nicht ersetzt. Ihre Liebe wird weitergetragen.
Aurelia kam aus dem Licht von Lucendum. In Santiago wird dieses Licht weiterleuchten. In meinem Herzen leuchtet es schon heute. Aurelia lebt in mir weiter. Lucie lebt auf dieser Welt und auch in mir. Meine Liebe zu beiden endet weder an der Entfernung noch an der Grenze des Todes. Denn die Liebe hört niemals auf.
Für Aurelia.
Für Lucie.
Für Dobby, Cacao und Sierra.
Für jedes Geschöpf Gottes, das noch darauf wartet, gesehen, beschützt und geliebt zu werden.

